Wissenswertes › Kaufkraft der Rente

Was ist die Versorgungswerk-Rente von Psychotherapeut*innen in 25 Jahren wirklich wert?

Die kurze Antwort: Bei 2 Prozent Inflation hat eine Rente von 4.000 Euro in 25 Jahren noch rund 2.440 Euro heutiger Kaufkraft. Inflation wirkt wie ein Zinseszins gegen Sie: Jedes Jahr setzt auf dem schon entwerteten Betrag auf. Planen Sie deshalb in Kaufkraft, nicht in heutigen Beträgen.

Die Rechnung: 4.000 Euro Rente bei 2 und 3 Prozent Inflation

Die jährliche Mitteilung des Versorgungswerks nennt Ihre Anwartschaft in heutigen Euro. Bis zum Rentenbeginn vergehen oft 20 bis 35 Jahre, in denen die Preise weiter steigen. Die Tabelle zeigt, was von 4.000 Euro Monatsrente in heutiger Kaufkraft bleibt; der Faktor ist die heutige Kaufkraft je Euro künftiger Rente.

Jahre bis zum RentenbeginnKaufkraft bei 2 % InflationFaktorKaufkraft bei 3 % InflationFaktor
10 Jahrerund 3.280 €0,82rund 2.980 €0,74
25 Jahrerund 2.440 €0,61rund 1.910 €0,48
35 Jahrerund 2.000 €0,50rund 1.420 €0,36

Zwei Prozent sind das erklärte Ziel der Europäischen Zentralbank. Einzelne Jahre liegen darüber: Im Juli 2026 lag die Inflationsrate in Deutschland bei 2,8 Prozent. Bei dauerhaft 2 Prozent halbiert sich die Kaufkraft in rund 35 Jahren, bei 3 Prozent schon in rund 23 Jahren.

So rechnen Sie es für sich: Nehmen Sie Ihr Rentenziel in heutiger Kaufkraft und teilen Sie es durch den Faktor aus der Tabelle. Ein Beispiel: 3.000 Euro heutiger Kaufkraft, Rentenbeginn in 25 Jahren, geteilt durch 0,61 ergibt rund 4.900 Euro brutto. So viel müsste dann auf Ihrer Mitteilung stehen.

Brutto, Steuer, Krankenkasse, Kaufkraft: vier Zahlen statt einer

Wenn die Zahl auf Ihrer Mitteilung auf den ersten Blick beruhigend wirkt und Sie sie deshalb nie umgerechnet haben, sind Sie damit nicht allein. Die Zahl ist brutto. Davon geht die Steuer ab: Wer 2026 in Rente geht, versteuert 84 Prozent der Rente; der Anteil steigt um 0,5 Punkte je Jahr und erreicht bei Rentenbeginn ab 2058 die 100 Prozent. Wie viel Steuer das im Einzelfall ist, hängt von den übrigen Einkünften ab. Dann folgen Kranken- und Pflegeversicherung: Auf die Versorgungswerksrente zahlen gesetzlich Versicherte den vollen Beitrag allein, anders als bei der gesetzlichen Rente, bei der die Rentenversicherung die Hälfte des Krankenversicherungsbeitrags trägt. Einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung gibt es auf die Versorgungswerksrente ebenfalls nicht. Erst danach beginnt die Kaufkraftrechnung.

Wer alle Stufen mitdenkt, erschrickt einmal kurz und plant danach realistisch. Die Kette von der Brutto-Rente zur Kaufkraft mit Beispielzahlen steht auf der Seite Reicht das Versorgungswerk?. Für angestellte Psychotherapeut*innen gilt dieselbe Rechnung für die gesetzliche Rente aus der Renteninformation; die Besonderheiten erklärt die Seite Altersvorsorge für angestellte Psychotherapeut*innen.

Warum das Versorgungswerk die Inflation nicht automatisch ausgleicht

Versorgungswerke können laufende Renten und Anwartschaften anpassen. Ob und in welcher Höhe, beschließen die Gremien des jeweiligen Werks nach seiner Ertragslage; eine Anpassung in Höhe der Inflationsrate ist damit nicht zugesagt. Für Psychotherapeut*innen kommt hinzu, dass die Anwartschaft wegen des Berufsstarts zwischen Anfang und Ende 30 aus weniger Beitragsjahren entsteht. Der Kaufkraftverlust trifft dann eine ohnehin kleinere Zahl. Wer vorsichtig plant, rechnet ohne Anpassung und nimmt sie später als Reserve mit.

Was gegen den Kaufkraftverlust hilft

Drei Dinge helfen. Erstens: das Rentenziel in heutiger Kaufkraft festlegen und mit dem Faktor aus der Tabelle auf den Rentenbeginn hochrechnen. Zweitens: Bausteine mit Renditechancen. Breit gestreute Aktienanlagen haben über lange Zeiträume historisch über der Inflationsrate rentiert; eine Zusage für die Zukunft ist das nicht, und Kurse schwanken. Drittens: eingebaute Dynamik, also Beiträge, die jedes Jahr um einen festen Prozentsatz steigen, damit die Sparrate nicht selbst an Kaufkraft verliert. Welche Bausteine das leisten und was sie kosten, vergleicht die Seite Vorsorgebausteine im Vergleich. Im kostenfreien Webinar rechnen wir das an typischen Beispielen der Berufsgruppe vor.

Häufige Fragen

Gleicht das Versorgungswerk die Inflation automatisch aus?

Nein. Versorgungswerke können Renten und Anwartschaften erhöhen, wenn ihre Ertragslage das zulässt; ein Ausgleich in Höhe der Inflationsrate ist damit nicht zugesagt. Planen Sie mit der Zahl aus Ihrer Mitteilung und betrachten Sie spätere Anpassungen als Reserve.

Mit welcher Inflationsrate sollte ich für die Rente rechnen?

Mit 2 Prozent als Basis, dem Ziel der Europäischen Zentralbank, und mit 3 Prozent als Vorsichtsszenario. Einzelne Jahre weichen ab; im Juli 2026 lag die Rate in Deutschland bei 2,8 Prozent. Über 25 bis 35 Jahre zählt der Durchschnitt, nicht das einzelne Jahr.

Wie berücksichtige ich die Inflation konkret in meiner Planung?

Rechnen Sie in heutiger Kaufkraft und teilen Sie durch den Kaufkraftfaktor Ihres Zeitraums. Die Tabelle auf dieser Seite nennt die Faktoren für 10, 25 und 35 Jahre bei 2 und bei 3 Prozent. Die Differenz zwischen dem so ermittelten Bedarf und Ihrer tatsächlichen Anwartschaft ist die Lücke, die zusätzliche Bausteine schließen müssen.

Das kostenfreie Webinar für Psychotherapeut*innen

60 Minuten, live über Zoom. Ihre Kamera und Ihr Mikrofon bleiben aus. Wir halten das Webinar selbst, rechnen an typischen Beispielen aus Ihrer Berufsgruppe und machen keine Produktwerbung. Sie tragen sich ein und erhalten die nächsten Termine per E-Mail.

Autoren: Nils-Patrick und Tim-Oliver Stöver, geschäftsführende Gesellschafter der Stöver Finanzplanung GmbH & Co. KG in Bremen (gegründet 2011). Seit 2021 liegt unser Schwerpunkt auf der Altersvorsorge von Psychotherapeut*innen. Mehr über uns. Stand: September 2026.

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